Es liegt in der Natur des Plötzlichen Kindstodes, dass die Familie des verstorbenen Kindes völlig unvorbereitet ist. Gerade weil die Ursache für das Geschehen letztendlich unbekannt ist, können die Eltern sich nur schwer mit dem Tod ihres Kindes abfinden. Das Geschehen ist für sie nur schlecht bis gar nicht zu verarbeiten.
In manchen Fällen kommt zu dem Leid der Eltern eventuell sogar ein Verdacht der Außenwelt dazu – die eher schwammige Diagnose Kindstod wird von Außenstehenden oft nur als eine Art Deckmantel für Kindstötung angesehen – vielleicht wurde das Baby ja doch absichtlich erstickt?
Unbeteiligten fällt es in diesem Fall oft besonders schwer, ihre Anteilnahme an etwas so schwer Fassbaren auszudrücken. Ratschläge wie es hätte vermieden werden können kommen in jedem Fall zu spät. All dies trägt dazu bei, das beim Plötzlichen Kindstod die Eltern oft länger leiden als Eltern, die wenigstens einen "Schuldigen" haben, also eine definierbare Krankheit oder einen Unfall.
Im medizinischen Fachblatt Lancet berichten dänische Forscher über den Einfluss, den der Plötzliche Kindstod auf das Leben und die Gesundheit der Eltern hat. Sie haben über 21.000 betroffene Eltern untersucht und haben herausgefunden, dass deren Lebenserwartung merklich reduziert war. Verglichen wurden die Eltern mit 300.000 Eltern, deren Kind am Leben war.
Laut der Studie haben Mütter, die ein Kind an den Plötzlichen Kindstod verloren haben, im Vergleich zu anderen Müttern viermal gefährdeter einen schweren Unfall zu erleiden oder Selbstmord zu begehen. Auch das Krebsrisiko ist um fast 50% erhöht.
Bei betroffenen Vätern verdoppelt sich das Selbstmordrisiko und das Risiko eines tödlichen Unfalls im Vergleich mit anderen Vätern.
Die Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben, führen dies darauf zurück, dass der Verlust eines Kindes eine der schlimmsten möglichen Erfahrungen sei. Der damit verbundene Stress könne zu Bluthochdruck und Herzkrankheiten führen.
Zudem verleite Stress dazu, einen ungesünderen Lebenswandel zu führen und beispielsweise mehr Alkohol zu trinken und mehr zu rauchen, was ebenfalls Krankheiten begünstige und somit zu einer kürzeren Lebenserwartung beitrage.


