Schon seit einigen Jahren herrscht in Deutschland ein "Überschuss" an adoptionswilligen Eltern: Auf ein für eine Adoption bestimmtes Kind kommen im Durchschnitt etwa zehn Adoptionsbewerber.
Viele geben nach jahrelangem Warten die Hoffnung auf, in Deutschland ein Adoptivkind zu bekommen, oder sie befürchten, dass noch längeres Warten sie aus dem vom Gesetzgeber gesteckten Altersrahmen für Adoptionen drängt. Viele dieser Paare erkundigen sich dann nach Möglichkeiten der Adoption im Ausland, wo es viel mehr adoptionsbedürftige Kinder gibt. Natürlich gibt es auch adoptionswillige Eltern, die gezielt einem Kind aus der Dritten Welt oder einer Krisenregion ein Zuhause geben möchten.
Die Adoption von ausländischen Kindern erfolgt zumeist über ausländische Organisationen oder über private Vermittler. Für die Auslandsadoption in einem Teilnehmerland des Haager Adoptionsübereinkommens ist die Teilnahme einer offiziell zugelassenen Vermittlungsstelle an Auslandsadoptionen vorgeschrieben. So soll sichergestellt werden, dass bei der Adoption das Kindeswohl im Vordergrund steht, also die passenden Eltern für das Kind gefunden werden, nicht das passende Kind für die Eltern. Mit der Unterstützung dieser Stellen läuft die Adoption im Ausland dann aber relativ problemlos, weil die Vermittlungsstellen den Ablauf der Adoption im Ausland organisieren und alle notwendigen Unterlagen bereitstellen.
Trotzdem gibt es immer noch die so genannten "Selbstbeschaffungsadoptionen" oder Privatadoptionen, bei denen Eltern sich auf eigene Faust in Ländern, die keine Teilnehmerstaaten am Haager Adoptionsübereinkommen sind, ein Kind holen und es im Ausland nach dem jeweils geltenden Recht adoptieren. Die Adoption im Ausland wird dabei oft durch private Kontakte vermittelt; in Deutschland müssen die Adoptiveltern die Adoption vom Jugendamt anerkennen lassen. Voraussetzung für diese Anerkennung ist die Durchführung der Adoption durch eine vergleichbare Stelle im betreffenden Land; eine Abmachung zwischen leiblichen und Adoptiveltern wird nicht anerkannt, auch wenn sie im Ursprungsland üblich und rechtskräftig sind.
Viele Paare, die auf natürlichem Weg kein Kind bekommen können, oder die vielleicht nicht die strengen Vorschriften der deutschen Vermittlungsstellen erfüllen, sehen in einer privaten Auslandsadoption oft ihre letzte Chance auf ein Kind. Deswegen nehmen sie dieses langwierige, komplizierte, teure, und oft auch nicht komplett legale Wagnis auf sich.


