Das erste Kind ist auf der Welt und aus dem Gröbsten heraus, die schlaflosen Nächte sind langsam ein bisschen in Vergessenheit geraten – da fragen sich die Eltern, ob jetzt ein guter Zeitpunkt für ein zweites Kind ist.
Wann ist denn ein guter Zeitpunkt für das zweite Kind? Das ist eine dieser Fragen, auf die man von jedem eine andere Antwort bekommt. Die meisten sind der Meinung, dass der Abstand, in dem sie und ihre Geschwister geboren wurden, genau der richtige ist. Andere meinen, dass man Kinder möglichst schnell nacheinander bekommen sollte, weil sie dann ja so gut miteinander spielen können.
Eine allgemeingültige ideale Lösung gibt es nicht, denn kein Kind ist wie das andere und keine Familie ist wie die andere. Manchmal wird einem die Entscheidung aus der Hand genommen, indem die Frau einfach aus Zufall wieder schwanger wird. Wer das zweite Kind aber plant, kann auch den Abstand bewusst planen. Dazu gibt es einige Punkte, die bedacht werden sollten – schon damit man seine Entscheidung, egal wie sie ausfällt, vor Familie und Freunden begründen kann.
Die meisten Ärzte empfehlen, nach dem ersten Kind mindestens zwei Jahre zu warten, damit der Körper der Frau sich wieder regenerieren kann. Folgt eine Schwangerschaft zu dicht der anderen, kann sich der Körper nicht ausreichend erholen. Die Schwangerschaft wird zu anstrengend für die Mutter – und auch für das Baby kann es riskant sein, wenn die Mutter nicht völlig gesund ist.
Nicht zuletzt ist es auch eine enorme körperliche und seelische Belastung, wenn eine Schwangere sich um ein kleines Kind kümmern muss! Von dieser Warte aus gesehen ist es besser, wenn Kind 2 erst dann auf die Welt kommt, wenn Kind 1 schon in den Kindergarten geht.
Nicht nur vom Blickpunkt der Mutter, sondern auch vom Vater aus kann es einfach zu früh sein, wenn das zweite Kind zu schnell nach dem ersten kommt. Manche Eltern haben das Gefühl, dass so die Beziehung zwischen ihnen auf den zweiten Platz verdrängt wird. Mit zwei Kindern sehen sich Männer mehr als Vater und weniger als Partner, das kann zu Lasten der Beziehung gehen. Mit einem Kind lässt sich nach Ansicht vieler einfacher eine Balance zwischen "Eltern mit Kind" und "Paar" herstellen.
Die Hauptsorge der Eltern gilt aber dem Kind. Wie verkraftet es Kind 1, plötzlich einen lauten Rivalen um die Liebe der Eltern zu haben? Und für Kinder ist es in erster Linie ein Rivale, sie verstehen noch nicht, dass ihre Eltern beide Kinder gleich lieben.
Es kann für das erste Kind traumatisch sein, vom Thron gestoßen zu werden. Manche Kinder stecken es problemlos weg, andere leiden furchtbar darunter. Das Problem ist: Man kann nicht vorhersagen, wie das eigene Kind reagieren wird.
Pädagogen sind sich aber relativ einig, dass ein Alter von zwei Jahren eher schlecht ist, um einem Kind plötzlich ein Geschwisterchen vor die Nase zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt hat das Kind alle Hände voll damit zu tun, sich von den Eltern zu lösen – es will ständig selbständiger werden, spürt aber, dass es noch auf die Eltern angewiesen ist. Wut und Trotz sind die verständlichen Reaktionen. Ein zweites Kind kann da den Eindruck machen, dass Kind 1 wegen seines frechen Verhaltens bestraft oder gar ersetzt werden soll.
Im Alter von etwa dreieinhalb Jahren allerdings sollten die meisten Kinder sich schon so weit von den Eltern gelöst haben, dass sie sich von einer Schwester oder einem Bruder nicht mehr bedroht fühlen. Trotzdem kommt es am Anfang oft noch zu Verhaltensweisen, die das Kind schon abgelegt hatte. Dazu gehören etwa Bettnässen oder das Verlangen aus einer Babyflasche zu trinken.
Wenn Kinder sehr weit auseinander geboren werden, also sechs und mehr Jahre, besteht auch das Risiko, dass sie keinerlei gemeinsame Interessen haben bzw. entwickeln. Sind sie zudem noch unterschiedlichen Geschlechts, kann das noch drastischer sein. Oft teilt sich die Familie dann völlig auf, wenn der Vater sich hauptsächlich um den Sohn und die Mutter hauptsächlich um die Tochter kümmert, und die Gruppen jeweils typische "Jungensachen" oder "Mädchensachen" machen.
Handfeste finanzielle Gründe können die Entscheidung beeinflussen. In Deutschland gibt es seit Einführung des Elterngelds einen Bonus für Geschwister, die relativ kurz hintereinander geboren wurden. Kritiker sind sogar der Meinung, dass der Staat sich hier unverschämt in die Familienplanung der Familien einmischt und mit dem Geschwisterbonus schnell aufeinander folgende Geburten forciert.
Positiv bei einer eher schnellen Geburtenfolge: Meist ist die komplette Babyausstattung noch vorhanden, muss also nicht gekauft werden. Negativ: Bei einem zu kurzen Abstand ist Kind 1 möglicherweise noch nicht aus allem herausgewachsen, vor allem aus so kostspieligen Gegenständen wie dem Babybett usw.


