Deutlich seltener als hormonelle Störungen oder organische Fehler sind psychische Probleme die Ursache von Unfruchtbarkeit. Gibt es bei keinem der beiden Partner hormonelle oder organische Gründe für die Unfruchtbarkeit, liegt die Vermutung nahe, dass psychische Gründe die Zeugung eines Kindes vermeiden.
Der Zusammenhang von seelischer und körperlicher Gesundheit ist heute weithin anerkannt, und so gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass Unfruchtbarkeit auch durchaus psychische Ursachen haben kann. Beispielsweise soll es so dazu kommen, dass eine Frau sich zwar ein Kind wünscht, unbewusst aber Angst vor einer Schwangerschaft hat und ihr Körper deshalb eine Schwangerschaft verhindert. Ihre unbewusste Angst manipuliert ihren Körper so, dass sie möglichst gar nicht schwanger werden kann. Dies kann sich zum Beispiel durch einen unregelmäßigen Zyklus zeigen, so dass die fruchtbare Zeit nur schlecht bestimmt werden kann, oder durch verringerte Lust auf Sex, so dass die Chancen auf eine Empfängnis noch weiter verringert werden. Beim Mann äußert sich eine eventuelle Ablehnung eines Kindes meist durch Erektionsstörungen, also einer funktionellen Unfähigkeit zur Zeugung.
Ebenso kann es vorkommen, dass ein Paar einen Kinderwunsch äußert, aber mehr oder weniger unbewusst die Zeugung und Empfängnis vermeidet, also beispielsweise an den fruchtbaren Tagen keinen Geschlechtsverkehr hat, durch die Lebensweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, oder aber die Fruchtbarkeitsbehandlung nicht beginnt. Dies kann der Fall sein, wenn sich die Partner nicht wirklich einig über ein Kind sind, oder wenn es tiefer liegende Beziehungsprobleme gibt, die vor einer Schwangerschaft aufgearbeitet werden sollten.
In jedem Fall sollten persönliche und Beziehungsprobleme geklärt werden, eventuell noch bevor eine hormonelle oder operative Therapiemethode in Anspruch genommen wird. Möglicherweise kann so schon eine "Unfruchtbarkeit" aufgelöst werden, bzw. den Partner ein alternativer Lebensweg ohne Kinder aufgezeigt werden.
Generell kann aber auch ganz "normaler" Stress Empfängnis und Schwangerschaft verhindern. Das ist auch sinnvoll, denn Stress gefährdet die Schwangerschaft, die Unfruchtbarkeit – meist nur kurzzeitig – ist in diesem Fall also eine Schutzmaßnahme des Körpers. Hier schafft meist schon ein Wandel der Lebensweise und natürlich Vermeiden von Stress für Abhilfe.
Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Unfruchtbarkeit und die folgende Behandlung selbst großen Stress verursachen. Das komplexe Geflecht aus Hoffnung, Versagensangst, Scham, Schuldzuweisungen und die drohende Perspektive der endgültigen Kinderlosigkeit setzt jedes Paar noch zusätzlich unter Druck. Auch das kann die Empfängnisprobleme noch zusätzlich verschärfen. Auch bei Paaren, bei denen psychische Probleme nicht der Grund für die Unfruchtbarkeit sind, können also von einer psychologischen Betreuung profitieren.


