Jede fünfte Schwangere ist heute älter als 35 Jahre. Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts traf das nur auf jede zehnte Schwangere zu. In diesem Alter gelten Frauen als Spätgebärende. Inzwischen sind aber auch Schwangerschaften bei Frauen um die 40 keine Seltenheit mehr.
Obwohl viele Laien befürchten, dass man mit einer so späten Schwangerschaft Missbildungen und Behinderungen beim Kind heraufbeschwört, sehen Mediziner die Lage nicht so düster. Sie sind besonders davon beeindruckt, wie bewusst diese Frauen an die Schwangerschaft herangehen. Sie beachten medizinische Ratschläge und stellen ihr Leben kompromisslos auf gesund um. Sie kümmern sich intensiver um die Gesundheit von sich selbst und ihrem Kind.
Grund für die späte Entscheidung fürs Kind: Erst in diesem Alter haben sie ihre Berufsausbildung und/oder ihr Hochschulstudium abgeschlossen und sind im Beruf so weit gekommen, dass sie endlich mal Pause machen können. Gerade unter den Hochschulabsolventinnen bleiben laut dem Statistischen Bundesamt über 60 Prozent bis zum 35. Lebensjahr kinderlost. Viele haben auch in diesem Alter erst den Partner gefunden, mit dem sie wirklich ein Kind haben möchten.
Das größte Problem in diesem Alter ist eigentlich, tatsächlich schwanger zu werden. Die Wechseljahre setzen im Alter von etwa 50 Jahren ein. Die Fruchtbarkeit nimmt sogar schon ab 30 allmählich ab. Bis zum Alter von 25 Jahren liegt die Chance, während eines Monatszyklus schwanger zu werden, bei etwa 30 Prozent. Ab 35 halbieren sich die Chancen, ab 40 Jahren liegen sie bei etwa zehn Prozent. Wenn kein regelmäßiger Eisprung stattfindet, kann der Frauenarzt ihn auch mit Hormonen künstlich auslösen.
Obwohl eine Schwangerschaft bei einer über 35-jährigen Frau als Risikoschwangerschaft gilt, kann sie mit guter medizinischer Betreuung genau so ein gesundes Kind bekommen wie eine jüngere Frau.
Die Risikofaktoren einer Schwangerschaft in diesem Alter sind hauptsächlich Bluthochdruck und Diabetes. Bei ausreichender Kontrolle können jedoch die negativen Auswirkungen dieser Krankheiten vermindert werden, egal die Frau die Beschwerden schon vorher hatte oder ob sie in der Schwangerschaft aufgetreten sind. Ohne rechtzeitige Behandlung kann es zu einer Schwangerschaftsgestose kommen. Die allermeisten Schwangerschaften verlaufen aber auch in diesem Alter völlig komplikationslos.
Frauen über 35 haben öfter als jüngere Frauen Probleme mit der Plazenta. Gegen Ende der Schwangerschaft kann es vorkommen, dass das Kind nicht mehr richtig von der Plazenta versorgt wird. Auch das lässt sich durch engmaschige ärztliche Kontrolle vermeiden.
Schwangere über 35 haben auch ein größeres Risiko für Fehlgeburten. Bis zum 30. Lebensjahr kommt es in zehn Prozent aller Schwangerschaften zu einem spontanen Abort im ersten Schwangerschaftsdrittel. Mit Anfang 40 steigt die Zahl auf rund 30 Prozent, mit 45 auf fast 50 Prozent.
Ab dem 35. Lebensjahr steigt auch das Risiko, ein fehlgebildetes Kind zu bekommen. Diese Fehlbildungen ergeben sich aus beschädigtem Erbgut. Wenn das Baby wegen des unkompletten Erbguts nicht lebensfähig ist, kommt es meist zur Fehlgeburt.
Zu den häufigen Behinderungen bei den Kinder Spätgebärender zählt das Down-Syndrom. Dabei kann das Kind mit unterschiedlich starken körperlichen und geistigen Behinderungen auf die Welt kommen. Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, steigt im Alter drastisch an: mit 35 Jahren liegt sie bei rund 0,3 Prozent, mit 40 Jahren bei einem Prozent, mit 45 Jahren sogar bei etwa fünf Prozent. Das bedeutet aber auch: 95 Prozent der Kinder kommen ohne diese Behinderung zur Welt.


